So – ich habe ein iPad: waaaaaaaaaaaasss?


Klingt komisch, ist aber so.

Seit 2 Tagen bin ich nun Besitzer eines iPads. Wie das? Ich habe doch erst vor etwa 2 Wochen einen Asus Transformer TF300TG erhalten. Hab ich im Lotto gewonnen? Nein. Hab ich das Gerät zurückgeschickt? Ja.

Tja, jeder der mich kennt wird sich nun wohl wundern. Wie kann ein Verfechter freier Software, der außerdem hobby-mäßig Android-Apps programmiert nun doch zum iPad greifen? Da ich arbeitsbedingt für fast 1 Jahr ein iPad und nun für fast 3 Wochen ein Android-Tablet hatte möchte ich hier ein wenig die Vor- und Nachteile der beiden Welten auf den Punkt bringen:

Eines soll klargestellt sein: Android ist keine schlechte Plattform und die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Im Endeffekt hat Apple gewonnen, weil ich im Rahmen meiner Arbeit einfach mehr mit iPads zu tun haben werde und es daher bezüglich Zubehör und Software auf jeden Fall besser ist auf das selbe Produkt zu setzen. Aber nun zum Für und Wider der beiden Welten.

Während man es gewöhnt ist bei Laptops und PCs lediglich die Leistungsdaten zu vergleichen, weil man ja eh das Betriebssystem seiner Wahl (also Linux ;-)) installiert und somit mit der Auswahl der benutzten Software keine Einschränkung hat, ist bei der Wahl des Tablets auch die Auswahlmöglichkeit bei den Programmen mit zu berücksichtigen.

Da wir im Endeffekt für alles was wir als Endprodukt bei einem Computer haben wollen ein Programm benötigen müssen die Geräte also auch anhand des möglichen Outputs gemessen werden. Die Frage ist also nicht: was leistet das Gerät? sondern: Was kann ich damit machen?

Kurz gesagt, das Android-Tablet leistet mehr.

Ich hatte einen SD UND einen Micro-SD Slot, und zusätzlich auch noch einen USB-Port für Maus oder Stick! Ich hatte eine 8? Megapixel Kamera. Android hat ein echtes Dateisystem, mit dem ich alles machen konnte wie auf einem „richtigen“ PC.

ABER:

  1. Beim Wechseln zwischen Applikationen blieben die „abgelegten“ Apps im Speicher offen. Nach kurzer Zeit führte das dazu, dass die Ladezeiten bei jedem Klick (bzw. Touch) langsamer wurden und die Apps irgendwann sowieso nur noch herumhingen. Hatte ich beispielsweise bei Android-Chrome 6 Tabs offen, ging fast nichts mehr. Es gab kein Widget (out-of-the-box) mit dem ich den Arbeitsspeicher bequem hätte leeren können. Eine Option die Apps direkt in der „Taskleiste“ zu beenden fehlte komplett. Ich müßte jedesmal auf Einstellen / Apps gehen und bei jeder App auf „Stoppen“ / „Ja, wirklich stoppen“ klicken. MÜHSAM!
  2. Es gibt keine ernstzunehmende Office-Lösung für Android. Ich habe vieles ausprobiert, viel im Internet gelesen. Überzeugt hat mich nichts. Am Ende hatte ich versucht Kingsoft Office einzusetzen – ein Foliensatz ist nun von den Formaten her unbrauchbar geworden, nur weil ich ein paar Worte ändern wollte. Microsoft Office für Android soll ja bald rauskommen – aber wer weiß wann? wieviel soll es kosten? wird es nur eine abgespeckte Version sein? Werde ich gezwungen sein Microsoft Live zu nutzen?
  3. Jede App funktioniert anders. Es ist irgendwie mühsam. Ich habe 3 Browser (Browser, Chrome und Firefox) nutzen müssen, damit ich halbwegs ordentlich surfen konnte. Chrome war cool, hat aber die deutschen Umlaute nicht geschafft (ja wirklich – so lächerlich es klingt), Browser war stabil, aber man konnte auch nicht drucken. Firefox war nett und hatte ein „Export als PDF“-Feature (fürs Drucken gut), war aber irgendwie hakelig. Im Endeffekt war dafür Firefox der einzige Browser mit dem es mir möglich war ein Bild herunterzuladen. Den Grund kenne ich nicht, aber weder die App Browser, noch Chrome konnten das Bild herunterladen – obwohl es die gleiche Quelle war! Wie doof ist das denn?
  4. Bezüglich „anderer“ (für mich nebensächlicherer Apps) wie Bildbearbeitung und Videoschnitt hinkt leider Android Play dem AppStore hinterher. Ich habe nicht wirklich Überzeugendes gefunden, während ich am iPad in kurzer Zeit ein Video aus Fotos und Kurzvideos mit Audio-Untermalung mit der App „ReelDirector“ erstellt hatte (kann ich übrigens SEHR empfehlen – intuitiver als iMovie!!!!) fehlte mir unter Android auch nur irgendein attraktives Angebot in dieser Hinsicht.
  5. Mein Gerät hatte eine Tastatur inkludiert. Das war toll, weil da ein extra Akku verbaut war. Der Laufzeit des Geräts hat das wirklich gut getan und die war damit vermutlich länger als die vom iPad. Dennoch – wenn ich das Gerät „mal eben aus der Tasche“ genommen habe, musste ich es erst vom Dock lösen, dann das Dock wieder verstauen, dann die Tastensperre entfernen ….. MÜHSAM die zweite. Es gab keine Hülle für das Android-Tablet, welches zugleich die Tastensperre entfernt (Stichwort: Smart Cover). Eigentlich waren alle Hüllen für den Transformer einfach schiach. (sorry für den Wiener Ausdruck). Das Tablet war plötzlich 3 mal so dick (wenn die Tastatur mit in der Hülle sein sollte), oder man musste es immer aus der Hülle rausnehmen um die Tastatur nutzen zu können. Also irgendwie war die Tastatur eine nette Idee, aber nicht wirklich das gelbe vom Ei.
  6. Auch nochmal zur Tastatur muss ich sagen, dass diese beim Transformer die Illusion erzeugt hat man könnte es als eine Art Netbook benutzen. Wäre so, wenn die Apps da wären. Aber in diesem Fall war die Tastatur leider eher ein Stein im Schuh….
  7. Android hat mir automatisch alle Ordner nach Mediendateien durchgescannt. Das hat dazu geführt, dass ALLE PDFs in der eBook-Software da waren, ALLE Bilder im Foto-Album. Aber ich möchte nicht die ganzen CD-Covers aus meinem MUSIK-ALBUM!!!!! in der FOTO-App haben. Ich möchte auch nicht die ganzen PDFs von meinen Dokumenten als e-Book (== BÜCHER!!!) haben. Dazu gab es nur eine Lösung. Man musste in jeden Ordner, der ausgenommen werden sollte, eine Datei namens „.nomedia“ legen. Ist das eine saubere Lösung? nicht wirklich. So etwas mache ich, wenn ich Quick&Dirty programmiere, aber nicht wenn ich ein weltweit eingesetztes Betriebssystem programmiere.

Komisch – soviele Kritikpunkte? Dabei hab ich doch oben geschrieben ich habe mir bei der Entscheidung schwer getan? Ja, ist so. Android hat auch seine Vorzüge. Die Offenheit etwa, wobei diese doch ein wenig mehr „Kontrolle“ bedürfen würde. Es kann nicht sein, dass jede App anders zu benutzen ist (siehe Browser+Bild-Download-Problem). Man muss sich rasch und intuitiv in jeder App zurechtfinden. Das Dateisystem ist toll, auch die Möglichkeit mit Speicherkarten zu erweitern ist super. Aber was soll ich damit, wenn die Anwendungsprogramme noch in den Kinderschuhen stecken?

Nun zum iPad …..Das iPad klingt ja nach der obigen Liste wie das Non-Plus Ultra. Ganz so ist es nicht. Ich werde daher kurz auf die Nachteile eingehen (im Prinzip sind diese aber eh hinlänglich bekannt) und dann noch ein wenig über die Vorzüge sprechen, die dann die Entscheidung gebracht haben:

  1. Man kann nur Apps aus dem AppStore installieren. Jailbreak kommt für mich nicht in Frage – aus dem Alter bin ich raus. Für mich muss ein Gerät funktionieren. Leider!!!!! habe ich im Moment nicht mehr die Zeit Systeme zu knacken und meine Hacks zu programmieren.
  2. Jedes Zubehör-Teil kostet ne Menge Kohle.
  3. Solche Aktionen wie der „Lightning“-Anschluss beim iPhone 5 sind so richtig …. Apple (man kann das Wort auch als Schimpfwort missbrauchen)
  4. Das Fehlen eines zentralen Dateisystems erschwert den Austausch von Daten zwischen den Apps.
  5. Videos müssen in ein bestimmtes Dateiformat konvertiert werden.
  6. iTunes als Synchronisations-Software ist einfach Mist.

Tja …. irgendwie wars das schon mit den Nachteilen. Für mich war dann diese Liste der kleine Gedanke: ist das so schlimm?

Die Vorzüge, die ich nun nach fast 3 Wochen Android-Table sehe sind die folgenden:

  1. Apps, die nicht aktiv sind, SIND EINGEFROREN! Damit hat die offene App „Bahn Frei“! Und genau das ist es was ich will. Das was ich gerade nutze soll ohne Ruckeln funktionieren „.“
  2. Dateisystem hin oder her – wenn ich mir Apps wie GoodReader anschaue bekomm ich um 5 Euro eine Software, die mir jeden FTP oder WebDav-Server genauso wie Dropbox und weiß-gott-was-alles auf das iPad SYNCHRONISIEREN!!!! kann. So eine Software hab ich unter Android gar nicht gefunden!!!!
  3. Der Upload von Dateien von iWork (mit dem ich übrigens echt super arbeiten kann) kann mittels WebDAV ganz gut gelöst werden – in Kombination mit GoodReader ergibt sich also ein ganz guter „Document-Lifecycle“.
  4. Und nun, last-but-best komme ich zu AirPlay. Ja, hier hat Android echt Nachholbedarf. Als ich vor mittlerweile mehr als 1 Jahr eine iPad Klasse ins Leben gerufen habe war das AirPlay-Feature mit Apple-TV einfach nur cool. Kabellos den Bildschirm-Inhalt auf einen Beamer projizieren bzw. Audio über Boxen kabellos ausgeben. Als Person mit Lehrtätigkeit ein Traum. Mittlerweile ist es gar nicht mehr nötig ein AppleTV zu kaufen. Mittlerweile kann man das mit jedem Standard-PC haben. Ich kann nur sagen: einfach geil.

Tja – sollte jemand vor der Entscheidung stehen bleibe ich bei dem, was ich schon vor Monaten sagte: Android hat in meinen Augen viel (oder sogar mehr) Potential, aber man braucht viel Zeit und Geduld um alles zum Laufen zu bringen (derzeit fehlt mir halt Ersteres total). Android hat vom Grundgedanken ein besseres Permission-System für Apps, was transparent macht, was Apps alles dürfen. Die Möglichkeit Widgets am Desktop abzulegen ist genial und fehlt bei iOS völlig.

Aber Android hat noch eine gewisse Entwicklungszeit vor sich – im Wesentlichen braucht es bessere Anwendungsprogramme.

Für jemanden, der sofort ein Gerät haben will mit dem er mobil arbeiten (Stichwort: Office) und die Vorzüge eines Tablets genießen kann, der sollte noch immer auf Apple setzen.

Ah ja – ich hab mich aber für ein iPad 2 entschieden!

Lg,

R.S.

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