Ist Facebook jugendfrei?


Hallo,

heute möchte ich mal über etwas nicht-technisches bloggen. Mir hat sich vor kurzem die Frage aufgedrängt, ob die Tatsache, dass wir in unserer Schule (Unternehmen machen das auch oft) Facebook blockieren nicht insofern ein falscher Weg ist, als dass wir unseren Kindern vorleben, dass Zensur durch „die Autorität“ ganz normal ist.

Einerseits: ja, es ist definitiv besser den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Internet, Social Networks, Cloud Diensten etc. zu vermitteln.

Aber: Wer soll das machen?

Es ist grundsätzlich ein Breitenproblem. Einzelne Kinder können sehr wohl damit umgehen, vor allem wenn sie entsprechende Anleitung erhalten. Auch in anderen Bereichen sind Kinder in höherem Ausmaß als reifere Menschen davon betroffen über die Bahn hinauszuschießen..

Deshalb gibt es ja auch Jugendgesetze. Kinder dürfen nicht in Diskotheken, Kinder dürfen keinen Alkohol trinken, Kinder dürfen gewisse Filme/Spiele nicht konsumieren etc. All das haben wir schon längst gemacht, weil wir erkannt haben, dass Kinder Schutz brauchen.

Warum benötigen Kinder bei Social Networks und Cloud-Diensten Schutz? Das möchte ich kurz umreissen:

  1. Kinder wissen nichts von Datenschutz, sie erkennen nicht welchen Wert ihre Daten für Unternehmen haben. Sie geben alle Daten über sich frei. Fotos, Meinungen, GPS-Positionen,  Videos etc.
  2. Kinder können nicht abschätzen, das alles im Internet für ihr restliches Leben abrufbar sein wird und dies später bei der beruflichen Karriere ein Problem werden kann.
  3. Kinder verstehen nicht, dass sie einen „Vertrag“ mit dem Seitenbetreiber abschließen und dieser die Daten nutzen darf, und dass diese Daten bei vielen Diensten in die USA oder sonstwohin „auswandern“ und dort überhaupt kein Datenschutzgesetz mehr geltend gemacht werden kann.
  4. Kinder können sehr gemein sein. Was früher auf einen Ort begrenzt war (Pausenhof, Klasse) – und damit schon schlimm genug war – findet jetzt 24h am Tag statt. Wird man im Internet gemobbt gibt es keine Möglichkeit auszuweichen.

Aber auch bei diesen Themen können Eltern ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Umwelt beibringen und bei vielen Kindern würde das bestimmt reichen. Aber die Gesetze haben wir in diesem Fall eben für die schwächsten Glieder in der Kette gemacht – und sicherheitshalber gelten sie für alle.

Dem Problem, dem sich Eltern, Lehrer und letztlich die ganze Gesellschaft gegenübersteht ist, dass uns der ganze technologische Fortschritt mit Tempo eines TGV (ah ja, jetzt V150) davonrast und die breite Masse hechelnd hinterherläuft. Die Kinder nutzen die Technik – leider unreflektiert – den Erwachsenen (mit Ausnahme von Spezialisten) bleibt gar keine Zeit sich mit den neuen Themen ordentlich auseinanderzusetzen.

Eltern können – obwohl sie als Erziehungsberechtigte sollten – einfach aus technischer Unkenntnis ihren Kindern keinen verantwortungsvollen Umgang lehren.

Warum sollte man nun annehmen, dass es in Schulen anders aussieht? Lehrer sind ebenfalls normale Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen und daneben ein Leben haben. Wenn sich bspw. ein Englischlehrer fortbildet, dann wird er das vermutlich im sprachlichen Bereich machen – und das ist ja auch gut so, das ist sein Job. Warum muss er ab jetzt immer Informatik-Fortbildungen machen um aufzuholen? Der Anspruch, den wir den Nicht-Informatik-Kolleginnen setzen ist groß – leider wird der Abstand aber aus unterschiedlichen Gründen immer größer.

Übrig bleibt ein geringer Prozentsatz an Spezialisten (nicht nur Informatiker, aber hauptsächlich), die entweder mahnend den Finger heben oder in Resignation sagen „wenn die Schüler/innen schon dort sind, nutzen wir es doch für wenigstens den Unterricht„, dem ein riesengroßer Anteil an „Normalos“, die Social Networks und Cloud-Dienste ebenso unreflektiert benutzen wie die Kinder. Sowohl Eltern, als auch Lehrer.

Was soll ein geringer Prozentsatz den Kindern über verantwortungsvollen Umgang beibringen, wenn der Großteil selbst nicht verantwortungsvoll mit dem Medium umgeht?

Kurzes Fazit für den obigen Text: WIR SCHAFFEN DAS NICHT.

Es ist uns allen als Gesellschaft nicht möglich unseren Kindern hier diesen verantwortungsvollen Umgang beizubringen, den es bräuchte. Vor einigen Jahren schon haben Schulen Social Networks oder manche Interplattformen allgemein als „Problemquelle“ erkannt (wobei ich keine Diskussion lostreten will, dass man diese Angebote auch positiv in den Unterricht integrieren kann – keine Frage), dennoch haben diese Plattformen auch Schattenseiten, die für unsere „schwächsten Glieder in der Kette“ zu einem großen Problem werden können.

Die Schulen sind hingegangen und haben angefangen URLs zu sperren oder Inhalte zu filtern. Das habe ich noch als Schüler erlebt. Schon damals fruchtete das relativ wenig, weil diese Sperren leicht durch andere URLs, Proxys oder VPNs etc. zu umgehen waren.

Aber mittlerweile ist das sowieso obsolet.

Jede/r 14-jährige läuft mit einem Smartphone herum bei dessen Handytarif er/sie unlimitierten Internetzugang hat. Mit 3 Finger-Drückern hat man einen WLAN-Hotspot eingerichtet und kann mit dem Notebook frei im Internet surfen – manchmal schneller als die Internetleitung der Schule es zulässt.

Selbst wenn es uns gelingt in der Schule den Zugang zu unterbinden (wo wir wieder beim Thema „Vermitteln eines verantwortungsvollen Zugangs“ sind) ist es im Pausenhof, beim Heimweg und zu Hause jederzeit und immer möglich.

Die Frage, die sich mir nun aufdrängt lautet:

Brauchen wir für das Internet Jugendschutzgesetze?

Bei einer Disko gibt es Türsteher, die Ausweise kontrollieren müssen. Warum soll ein Betreiber eines Internet-Dienstes (der letztlich hier ja auch Geld verdienen will) nicht auch eine solche Verpflichtung haben?

R.S.

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