Display-Mirroring mit iOS und Android – ein Vergleich


In meiner Schule bin ich als eLearning-Koordinator zuständig für die Evaluierung und die Implementation von Tablets im Unterrichtseinsatz. Wir haben uns für das iPad entschieden, und ein sehr gewichtiger Pluspunkt war die Möglichkeit via AirPlay den ganzen Bildschirminhalt kabellos spiegeln zu können. Das ermöglicht es jede App vor Schüler/innen am Beamer zu benutzen sowie den Einsatz als interaktives Whiteboard bzw. für andere Präsentationszwecke während man sich in der Klasse frei bewegen kann.

In letzter Zeit geschieht es häufig, dass ich in Diskussionen mit Fachleuten aus dem eLearning-Bereich bei der Betonung dieses Vorteils belächelt werde, weil mit Android „ja genau das selbe eh auch schon längst geht„. Leider ist diese Aussage nur teilweise richtig, und meistens einfach nur ideologisch gefärbt (Apple-Bashing ist in der eLearning-Community derzeit leider „in“). Sie resultiert aus einer sehr oberflächlichen Betrachtungsweise der technischen Umsetzung der unterschiedlichen Systeme, weil das Verständnis für technische Zusammenhänge oft fehlt. Es ist beides eben nicht „das selbe“. Grund genug für mich in diesem Artikel einen Vergleich anzustellen.

Um noch vorauszuschicken: Es geht mir nicht darum zu sagen: iPad ist  besser als Android. Ich finde eine derart eindimensionale Bewertung zweier so verschiedener Plattformen kann niemals Ergebnis einer objektiven Evaluation der Vor- und Nachteile sein. Als Android-App-Entwickler sehe ich auch in dieser Plattform gewisse Vorteile, obwohl aber für unseren Einsatz in der Schule das iPad einfach besser geeignet ist. Mein Vergleich zeigt die konkrete Umsetzung der Bildschirm-Spiegelung mittels AirPlay und wie der Einsatz mit Android aussehen würde.

Grundsätzlich kommen folgende Technologien zum Einsatz:

Plattform integrierte Technologie ab Generation Empfangsgerät DLNA
Apple / iOS AirPlay Video/Audio/Foto alle, Bildschirm-Spiegeln erst ab iPad 2 bzw. iPhone 4s Jedes AirPlay-fähige Gerät Bei beiden Plattformen für Video/Audio/Foto über Apps oder integriert verfügbar. Bildschirm-Spiegeln jedoch nicht möglich!
Google / Android Miracast (WiFi Direct) Bildschirm-Spiegeln und 5.1 Surround-Sound ab Android 4.2 WiFi-Direct fähiges Gerät

DLNA ist ein Standard zur MEDIENübertragung. Diesen gibt es seit jeher auch unter Android. Da die Übertragung von Video/Audio/Foto damit möglich ist, verwechseln viele Benutzer bereits hier den Unterschied der Technologien. Bildschirm-Übertragung generell ist damit aber nicht möglich.

Beginnen werde ich nun in meiner Beschreibung wie AirPlay bei uns in der Schule eingesetzt wird.

AirPlay

Wir haben um umgerechnet etwa 90 EUR 35 Lizenzen der Software „AirServer“ gekauft. Dieses Programm gibt es für Windows und für MacOS und ist bei uns auf allen Geräten, die fix an einen Beamer angeschlossen sind (Lehrer-PCs) sowie auf allen Notebooks installiert. Die Installation der Software erfolgte also über die PC-Images. Das war rasch erledigt und stand sofort überall in der Schule zur Verfügung.

Lehrer-PCs verfügen über Beamer und Audio-Boxen, sie sind fix verkabelt. Ein/e Lehrer/in meldet sich ganz normal am PC an (wie gewohnt), und das Programm AirServer läuft im Hintergrund.

Am iPad / iPhone erscheint das AirPlay-Symbol, und man kann den PC als Empfangsgerät auswählen. In Folge wird der Bildschirminhalt und die Audio-Ausgabe des iOS-Geräts an das Lehrer-Gerät via WLAN übertragen. Man muss NICHTS an der Verkabelung ändern, bei keinem Gerät die Eingangsquelle des Beamers umschalten oder dergleichen. Einfacher geht es also gar nicht mehr.

Als kleines Extra läßt sich einstellen, dass die Verbindung passwortgeschützt ist, oder bei jeder Verbindungsaufnahme am Lehrer-PC nachgefragt wird, ob man den Inhalt empfangen will. Der iPad-Bildschirm erscheint am Desktop als Fenster (ähnlich einem Video) und läßt sich so maximieren, als Fenster betreiben, oder minimieren. Auch hier also volle Flexibilität um zwischen der gewohnten Oberfläche (Windows/MacOS) und dem iPad-Bild zu wechseln.

Mit der neuesten Version von AirServer-App ist es außerdem möglich geworden MEHRERE iOS-Geräte gleichzeitig mit dem Lehrer-PC zu verbinden. Somit kann rasch neben dem Lehrer-Bild auch jenes von 2-3 Schüler/innen an die Wand geworfen werden um etwa einen Vergleich von Lösungen zu visualisieren. (siehe Abbildung)

IMG_3629

Nachteile sind die Abhängigkeit von einer bestehenden WLAN-Infrastruktur (ist aber meistens eh vorhanden, wenn man Tablet-/NB-Klassen hat) und das Fehlen einer Empfangssoftware unter Linux. (XBMC-Mediacenter kann zwar AirPlay empfangen, jedoch nur Video/Audio/Foto). Letzteres wird aber vermutlich für die meisten Leser kein Problem darstellen…..

Miracast

Die unter Android 4.2 eingeführte Technologie basiert auf einem Standard der WiFi-Alliance namens Miracast. Übertragen werden die Daten über WiFi-Direct. Es benötigt also nicht zwingend eine WLAN-Infrastruktur mit AccessPoints. Allerdings muss sowohl das sendende Gerät, als auch das Empfangsgerät den Miracast-Standard unterstützen, welcher Teil der Hardware ist.

In unserer Schule würde das bedeuten, dass alle Beamer entweder ausgetauscht oder mit einem Miracast-Dongle nachgerüstet werden müssten. Ein solcher Dongle kostet bei Amazon 40 – 70 EUR. Und das PRO BEAMER!!!! Man hat dann ein eigenes Hardware-Kastl, dass wieder Probleme verursachen kann und irgendwann nachgekauft werden muss. Die Gesamtkosten für AirServer lagen für die ganze Schule bei 90 EUR.

Bei den Endgeräten der User muss es nun eines sein, welches auf Android 4.2 aktualisiert werden kann. Gerade hier wird aber gerne zu günstigeren Geräten gegriffen, die oft nur bis Android 4.1 oder sogar nur 4.0 aktualisiert werden können. Das wäre so, als würde ich jetzt ein iPad 1 kaufen – da weiß ich aber, dass es veraltete Technologie ist. Wenn ich mir jetzt ein neuwertiges Android-Tablet kaufe gehe ich davon aus, dass es „eh up-to-date“ ist. Zumindest als unwissender Konsument….

Es wäre also sehr schwierig in der ganzen Schule mit einem Aufwaschen Miracast anzubieten, außerdem wäre eine Installation mit Hardware-Arbeiten verbunden, die auch deutlich mehr kosten würden als die Installation einer Software auf PC-Images.

In dem Nutzerszenario, dass die Schule also für die Umsetzung dieser Technologie 3-4 Jahre benötigt, schweben Lehrer/innen stets in der Ungewissheit, ob sie in einem Raum eingesetzt werden, dessen Beamer Miracast hat oder nicht. Das ist nicht nur lästig, sondern macht eine gezielte Vorbereitung des Unterrichts mit Einsatz dieser Technik unmöglich. Automatisch werden Lehrer/innen beim gewohnten Unterrichtsschema bleiben.

Die Audio-Übertragung erfolgt entweder weiterhin lokal am Tablet, oder wird also zum Beamer übertragen. Die Audio-Boxen müssen also beim Beamer angeschlossen sein. Wenn nun auch der Ton des Lehrer-PCs an den Beamer übertragen werden soll müsste bei uns auch diese Verkabelung massiv nachgebessert werden (und ich nehme an das wäre in den meisten anderen Schulen auch so).

Außerdem – dazu fehlt mir aber die Möglichkeit das konkret zu testen – wäre es notwendig zwischen der Eingangsquelle „Computer“ und „Miracast“ mittels der Beamer-Fernbedienung zu wechseln. Zumindest sofern ich zwischendurch doch etwas am PC herzeigen möchte. In der Praxis sind meistens die Batterien leer oder schwach, oder die Fernbedienungen bekommen Füße und man steht blöd da.

Als letzten Nachteil bietet der Standard keine Möglichkeit mehrere Geräte gleichzeitig zu verbinden. Sollte das jemals nachgebessert werden wird das jedoch dazu führen, dass nur neuere Hardware-Dongles bzw. neuere Geräte dann auch die neue Miracast-Version integriert haben.  Das Umrüstungsspiel beginnt von Neuem…

Eingebürgert hat sich in meinem Blog immer ein Fazit am Ende:

Fazit

Miracast ist ein toller Standard und eröffnet der Android-Welt diese längst überfällige Funktion. Irgendwann wird es wohl überall vorhanden sein, und dann ist es auch kein Problem es zu benutzen (schätzungsweise 5 Jahre). Allerdings machen die Abhängigkeit von der Hardware und die damit verbundenen Kosten eine sofortige flächendeckende Installation unmöglich. Der Nachteil, dass „Updates“ nur durch Kauf einer neuen Hardware erhalten werden können, bleibt bestehen.

AirPlay ist von der Hardware abgelöst und wird in einer bestehenden Netzwerk-Infrastruktur gestreamt. Somit ist eine Verbesserung der Leistung mit einem einfachen Software-Update am Empfangs-PC möglich. Es ist rasch einsatzbereit und kostet pro Arbeitsplatz durchschnittlich 4 EUR (AirServer).

R.S.

Advertisements

2 Gedanken zu “Display-Mirroring mit iOS und Android – ein Vergleich

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s